eine Unerwartete Begegnung

An diesem verregneten Samstag waren kaum Menschen auf der Straße zu sehen, und die wenigen, die unterwegs waren, trieb der Wind wie getrocknetes Laub vor sich her. An solchen Tagen brauchte man den Schutz einer Herberge und so kündigte das Klingen der Türglocke in der Bernsteingasse 5 einen neuen Gast an. In dem Raum, den der Besucher eilig betrat, gab es nicht sehr viele Sitzplätze, ein Dutzend, vielleicht auch ein paar mehr. An den Wänden und auf Staffeleien in der Ecke hingen und standen eine Auswahl von Bildern – Sommerimpressionen aus Italien –, die wie für eine Ausstellung aufgebaut waren. Eine etwas in die Jahre gekommene Kaffeemaschine surrte leise im Hintergrund und in der Glastheke stand noch etwas Kuchen. Es war bereits früher Nachmittag und draußen begann es schon langsam zu dämmern. Außer dem späten Besuch war niemand da und die vorsichtige Rufe nach einem Besitzer verhalten unbeantwortet.  Bei dem einsamen Gast machte sich eine Atmosphäre des Unwohlseins breit, das einen nach unangenehmen Träumen befällt, oder wenn man von einer Unbestimmtheit überfallen wird und nicht genau weiß, ob man bleiben oder lieber gehen soll.
Der Gast wandte sich daher dem Ausgang zu, doch für einen unbemerkten Abgang war es bereits zu spät, denn plötzlich ... 

... erschien ein Schatten an der gegenüberliegenden Wand. Er wurde größer und größer, doch einen Menschen hinter dem Schatten konnte der einsame Besucher nicht entdecken. „Hallo, ist da jemand“, rief er in den totstillen Raum. Er machte ein paar Schritte und vor ihm tat sich eine Tür auf – und in der Tür stand Angelo Branduardi. Er schwieg. „Angelo“, rief der Besucher, „wie schön dich hier zu sehen ... bist du unter die Maler gegangen?“. Doch Angelo Branduardi antwortete nicht, er summte nur sein Liedchen „La pulce d´acqua“.

„Und, ist das dein Schatten?“, fragte der Besucher.

„Welcher Schatten?“

„Na, der dort auf der Wand.“

„Nein, nein,das ist doch Botticelli, erkennst du ihn nicht?“

„Nein, ich kenne Botticellies Figur nicht. Ich kenne nur seine schönen Frauen... die Venus in der Muschel zum Beispiel“, meinte der Besucher.

Und plötzlich, wie in einem Traum bewegten sich die Gardinen ... und die wunderschöne Venus erschien auf ihrer Muschel.

 „Buonasera“, flüsterte sie, „was machen Sie in meinem Atelier?“

„Ich, ich ...“, stammelte der Besucher, sichtlich sprachlos und wusste nicht weiter.

„Sie befinden sich hier in meinem Atelier“, sagte die Venuns und Botticelli steht mir gerade Modell.“

„Das nennt man dann wohl Perspektivwechsel“, meinte der einsame Besucher, „oder einen Rollentausch.“

„Wir alle sind Maler und Modell zugleich“, ergänzte die Venus, „Sie auch!“

 

                                                                                  (Verfasser leider unbekannt)

 

 

 

... erblickte er ein schon in Vergessenheit geratenes Gesicht. „Das kann doch nicht sein, wie lange das jetzt her war“, dachte er und je länger er ihn anstarrte, umso sicherer wurde er sich.

Das musste Schicksal sein, dass sie sich so viele Jahre später ausgerechnet an diesem völlig fremden Ort wiedersahen. „Er ist echt alt geworden“, dachte er und starrte den Mann am anderen Ende des Raumes, so offensichtlich es nur ging, an. Das letzte Mal, dass er ihn gesehen hatte war neunzehn Jahre her. Nach langem Zögern ging er auf ihn zu und wollte ihm alles an den Kopf werfen was er sich jahrelang nicht getraut hatte zu sagen. Auf halber Strecke machte er allerdings einen Rückzieher, drehte sich um  und wollte wieder gehen.

„Nein“, dachte er sich, als er durch das schmutzige Fenster die Blätter im kalten Wind wehen sah. Er hatte sich diese Begegnung schon tausendmal ausgemalt, doch jetzt fehlten im die Worte. „Was sollte er ihm denn sagen? Und wie würde er sich rechtfertigen für das, was er ihm und seiner Mutter angetan hatte?“

Er drehte sich wieder um. So entschlossen und überzeugt, wie schon lange nicht mehr. Mit festem Blick und angespanntem Körper ging er langsam aber sicher auf ihn zu. Schritt für Schritt. In der Mitte des Raumes hielt er kurz an, atmete tief durch: „Ich schaffe das“, dachte er und ging weiter. Nun stand er vor ihm. Er guckte dem Fremden und gleichzeitig auch vertrauten Mann tief in die Augen.

„Was ist Junge?“, fragte der Mann, „kann ich dir helfen?“

Das war doch nicht möglich, er erkannte ihn nicht. Doch dann brachte er mit all seinem Mut die zwei Worte heraus: „Hallo Papa!“

 

                                                                      (von Charlotte, Saliah, Melissa und Linda)

 

 

... wich die Verwirrung des Gastes einem Licht, das den Einzug in sein Innerstes mit einer Heftigkeit begehrte, die ihm fremd und gleichzeitig vertraut war. Und wieder erkannte er seinen Wiederstand als etwas nur scheinbar Unauflösbares. Es gab nur diesen einzigen Schritt ihn zu brechen, wollte er nicht wie Sisyphos enden. Und so rollte er den Stein ein letztes Mal in Richtung Erkenntnis und Glück. Er der Gast, der nun kein Gast mehr war,  war angenommen. Bei sich selbst, und allem, was verregnete Samstage, Einsamkeit, Trübsal und Getrenntsein ein für alle Male der Vergangenheit angehören ließen. Eine lang erwartete Begegnung!

                                                                                             (Von Birgit Schlattmann) 

 

 

... erschien eine alte Frau. Als die den Besucher ansah, glitt ein Lächeln über ihr Gesicht. Ihm war als ging die Sonne auf. Das Unwohlsein verschwand und machte Neugier Platz.

„Mögen Sie einen Kaffee“, fragte die Frau. „Die Apfeltarte ist auch köstlich.“

„Gern“, antwortete er.

Sie bereitete alles zu und er nutzte die Gelegenheit, um sich die Bilder anzusehen.

„Sind die von Ihnen?“, fragte er.

Sie lächelte und verneinte. „Mein Mann ist der Künstler, er meinte immer nicht gut genug malen zu können. Gefallen Sie Ihnen?“

„Sehr“, antwortete er ernst. „Sie erinnern mich an meine Frau. Unser letzter Urlaub führte uns nach Umbrien. Die Landschaften sehen sehr ähnlich aus.“

„Mein Mann stammt aus Perugia“, erwiderte sie und ihr Lächeln wurde noch breiter.

Beide tranken ihren Kaffee und genossen ihren Kuchen. Die Zeit verging in leichtem Geplauder über Italien, Malerei, Kaffee und die Backkunst. Er hatte es nicht mehr eilig, obwohl draußen der Regen aufgehört hatte und sich einige Sonnenstrahlen zeigten.

„Wo ist der Künstler denn?“, fragte er sie.

Sie lächelte und sagte: „In Perugia, wo er immer sein wollte. Wo ist Ihre Frau?“

„Auch in Italien. Sie meinte immer, dass unsere Tage dort die schönsten in ihrem Leben waren.“

„Nun, dann bin ich sicher, dass mein Mann nun eine passende Gesellschaft hat. Beide haben sich dort, wo sie jetzt sind, viel zu erzählen. So wie wir hier auch.“

Er lächelte und mit einem Mal schien auch auf seinem Gesicht die Sonne. Beide tranken schweigend aus.

„Ich würde gern bei Gelegenheit wiederkommen“, meinte er.

„Das wäre schön, dann können wir uns wieder über Italien unterhalten. Vielleicht möchten Sie bis dahin ein Bild mitnehmen? Ich bin sicher, dass es gut aufgehoben wäre.“

Er strahlte und wählte ein Bild aus. Eine weiße Basilika mit Pinien. „Wie meine Frau im Himmel und doch auf Erden“.

„Das würde meinen Mann sehr freuen. Dann bis bald. Auf ein Wiedersehen“.

„Ciao, Signora“, antwortete er und ging.

Sie blieb noch etwas sitzen und dachte über ihn nach. Viel zu jung für so einen Verlust, aber Hoffnung im Herzen, da war sie sich sicher und lächelte.

 

                                                                                             (leider unbekannt)

 

 

 

... schlug der Wind die Tür weit auf, das trockene Laub wirbelte durch die Luft, während gleichzeitig ein zarter und doch kraftvoller Duft in die Herberge hineinströmte und dem Gast fast den Atem nahm. Wie benommen schaute der Gast zum Ausgang und sah unzählige Sterne. Sterne? Im glitzerndem Sternenstaub eingehüllt trat, wie aus einer fremden Welt, ein strahlendes Wesen ein. Eine Frauengestalt bewegte sich schwebend auf eine der Staffeleien zu. In diesem Moment strömten die Farben der Sommerimpressionen aus den Bildern hinaus auf den Boden zu den Sitzplätzen und hüllten auch sämtliche Wände ein. Augenblicklich begann der Gastraum zu schimmern und leuchten, der blumig zarte Duft umarmte alle Gegenstände und schließlich auch den Gast. Das Surren der Kaffeemaschine verstummte. Endich atmete der Gast auf und wurde mit jedem Atemzug immer ruhiger und friedvoller. Die glitzernde Frauengestalt berührte mit ihrem Herzen das Herz des Gastes.

Vom Glück erfüllt strömten unzählige Tränen über sein Gesicht und nun war es egal, ob es regnete oder ob es irgendwann unangenehme Träume oder Erlebnisse gegeben hatte. Der Gast war angekommen bei sich selbst. Diese unerwartete Begegnung mit sich selbst hatte ihn genau hierhin an diesen Tag in diese Herberge zu genau diesem Zeitpunkt führen wollen.

 

                                                                                  Von Marlis Schaper, Minden

 

 

... stand sie in der Tür. Pitschnass, das Wasser tropfte von ihrem braunen Haar in die Augen auf den Kragen ihres Mantels. Der Regen hatte sich in den Falten ihres grauen Mantels gesammelt und lief langsam abwärts. Bald erreichten die Tropfen den Saum. Von dort legten sie einen langen Weg - Trooopf – zurück, bis sie zu den Stiefeln stießen und dort ihren Weg nach unten fortsetzen.

 

„SIE“, er hatte sie schon auf der Strasse gesehen, wie sie gegen den Wind kämpfte. Da waren ihre Haare noch trocken und wehten wild ins Gesicht. Er konnte ihre Augen nicht erkennen, da sie von den fransigen Haaren bedeckt waren. Aber er tippte auf braune Augen. Braun wie die Erde und braun wie die Blätter, die auf dem Weg lagen.

 

Sie schüttelte sich, schaute sich um, sah ihm direkt in die Augen und was für ein sattes braun ihre Augen hatten. Dann schenkte sie ihm ein Lächeln. „Hallo, ich bin Ina, und du?“

Aber er konnte nicht sprechen. Auf einmal war alles wieder da, diese Augen, diese Haare, der Gang, die Stimme. Er erinnerte sich an vergangene Zeiten und tauchte in seine Erinnerungen ab ...

                                                                                  (leider kein Verfasser)

 

... fiel das Licht von Autoscheinwerfern in den Raum und Motorgeräusche durchfluteten die Stille. Der einsame Gast starrte geschockt zum Fenster. Würden sie ihn jetzt finden? Er schaute sich hektisch um, suchte nach einem Ausweg. Er überlegte, ob er es schaffen würde unbemerkt hinter die Theke zu gelangen und von dort aus durch die Küche zum Hinterausgang zu gelangen und zu entkommen. Hoffentlich gab es einen Hinterausgang. Er blickte wieder zum Fenster, der Regen tropfte in langen Linien die Scheibe entlang. Plötzlich war nichts mehr zu hören, bis auf das leise Surren der Kaffeemaschine. Doch er war wie erstarrt, kaum fähig sich zu bewegen. Seine Hände zitterten und er wusste, dass es keinen Weg raus gab, keiner bei dem er sich heimlich verstecken konnte. Dann hörte er Schritte von draußen, ein aufeinander folgendes Klackern. Sein Magen zog sich zusammen, der Raum verschwamm vor seinen Augen. Jetzt hatten sie ihn gefunden. Dann ging die Tür auf und eine zierliche Frau mit blonden Haaren kam nun herein. Obwohl sie mal wieder zu spät kam, strahlte ihr Gesicht, so wie immer wenn sie den Raum betrat und so strahlte sie auch ihn an, mit einem breiten Lächeln auf den Lippen.

„Guten Tag, guter Mann! Ich hänge nur schnell meinen Mantel weg. Kann ich Ihnen etwas bringen?“

Er spürte die Erleichterung. Ein wohlig, warmes Gefühl machte sich in ihm breit. Er lächelte zurück und antwortete: „Ich hätte gerne einen warmen Tee und ein Stück Kuchen aus der Theke.“

„Kommt sofort“, antwortete sie und verschwand in dem Raum neben der Theke.

Er lächelte immer noch, nein er grinste sogar. Euphorie durchströmte seinen Körper. Das beklemmende Gefühl war weg. Er war angekommen. Morgen, da würde alles wieder von vorne losgehen, ab für heute hatte er sein Versteck gefunden.

 

                                                                                             (Von Valentino)

 

 

... sah er in zwei himmelblaue Augen, die verstärkt durch die Brillengläser, fast bedrohliche Ausmaße annahmen. Ihre Augen hatten einen kindlichen Blick, ihr Gesicht war Porzellanhaft, wunderschöne Locken gaben dem Ganzen einen zarten Rahmen. Sie blickte verschreckt durch ihre Brillengläser zu ihm. Er spürte Wärme in sich aufsteigen. Vor ihr stehend war er sprachlos. Er räusperte sich um seine Stimme wieder zu finden und stammelte: „Darf ich Sie zu einem Kaffee im Ankoné einladen?“

 

                                                                                             (Von Karin und Thomas)

 

 

... tauchte eine uralte, winzige Dame mit englischem Hut auf. Lächend kam sie auf ihren Besuch zu, war erfreut im zu sehen. „Guten Tag“, knisterte ihre Stimme, „wie schön, dass du endlich gekommen bist. Ich habe mich schon gefragt, wann du eintreffen würdest...“

Mit diesen Worten schob sie den verwirrten Gast in ihten großen Polstersessel. Augenblicklich versang er im Blumenmuster und in den vielen Kissen. Verwundert und doch schüchtern beobachtete er, wie die Dame mit überraschend flinken Bewegungen Tee zubereitete. Das Klappern der Silberlöffel auf dem hellblauen Porzellan vertrieb sein unwohles Gefühl. Dennoch fragte der Gast sich, in welcher parallelen Welt er gelandet war. Sie schien ihm nicht real zu sein. Doch schon im nächsten Augenblick holte ihn das Geräusch eines einfachen Wagens in die Wirklichkeit zurück. Wie jeden Tag um diese Uhrzeit parkte ein kleiner gedrungener Mann mit einem beachtlichen Bauchumfang seine alte Puch direkt vor der Ladentür. Er kam, wie immer nach Luft ringend, mit den gleichen Worten  durch die Tür: „Kehr is dat schlimm geworden mit dem Verkehr, ich komm da mit mein Anhänger kaum mehr durch“, worauf er stets als Antwort erhielt: „Mensch Manni, du musst uns wirklich nicht mehr täglich die Eier bringen. Wir können die Eier auch selbst abholen.“

Dieser Hinweis wurde von Manni aber konstant ignoriert und das eigentümliche Schauspiel fand an den kommenden Tagen seine verlässliche Fortsetzung. Also brachte er auch heute drei Lagen Eier vorbei ohne zu merken, dass sich eine weitere Person in der kleinen Stube befand. Der Gast stand hektisch auch, machte Anstalten den Herrn zu begrüßen, aus Gründen der Höflichkeit, die draußen in der Welt sehr hoch angesehen war. Doch der Mann schien keinerlei Notiz von ihm zu nehmen. Vielmehr starrte der Lieferant, das ein oder andere Mal direkt durch den Besucher hindurch, während er eilig  seinen Job machte. Als alle Geschäfte erledigt warenj und Manni seine Bezahlung erhalten hatte, verabschiedete die alte Damen sich von ihm und wünschte ihm einen entspannten weiteren Arbeitstag. Manni dankte ihr kurz und verließ dann, wieder ohne ein Wort zu verlieren oder einen freundlichen Blick, den Raum durch die Ladentür und fuhr in seiner Puch davon.

Verblüfft nahm der Gast einen Schluck Tee. Er staunte noch immer über die Eile des Verkäufers, der diese Hektik doch gar nicht haben müsste. Bald sah er hinüber zu seiner Gastgeberin und sah, wie sie im bedeutungsvoll und verschmitzt zulächelte.

„Sicher möchtest du wissen, wo du hier eigentlich bist und wieso und woher ich dich kenne, nicht wahr?“

Wenn sie sprach, dann klang es wahrhaftig so wie das Aneinanderreiben zweier Buchseiten beim Umblättern eines schweren Romans. Es war faszinierend. Stumm nickte der Gast.

„Nun hör mir gut zu. Dies ist kein gewöhnliches Café. Das du hier bist, hat einen ganz besonderen Grund, und du kennst ihn. Es ist deine Sehnsucht nach einem Zufluchtsort von all der Hektik des Alltages, die dort draußen wuchert. Du hast es noch vor ein paar Momenten gesehen: die Menschen haben kaum mehr Zeit füreinander, sie versinken in Geschäften, in Geld und vor allem in sich selbst. Kehren sich nach innen und machen sich anonym. Ich weiß, wie sehr du dir ehrliche Begnungen wünscht, bei denen die dein Gegenüber tief in die Augen schaut und dabei bemerkt, ob es dir gut geht oder miserabel. Hier ist er, dein Raum, dein Ort. Verbringe hier soviel Zeit, wie dein Herz benötigt, damit beim Herausgehen durch die Tür keine Sorgen mehr auf deiner Seele lasten. Dieser Ort ist seelenruhig und sorgenfrei.“

 

Und mit einem Lächeln auf den Lippen sprüte der Gast, wie sein Herz leicht wurde.

 

                                                                                             (von Paula)

 

... kam Luise herein. Sie hatten sich lange nicht gesehen. Sie tat so, als erkannte sie ihn nicht, er aber freute sich sie zu sehen und begrüßte sie freudig. Ein unsicheres Gespräch begann. Ihr fiel der Schirm aus der Hand. Sie bückte sich um ihn aufzuheben, er ebenfalls. Sie stießen zusammen. Er erötete und es war ihm selber peinlich. Damals hatte er sie schon immer angehimmelt. Heimlich, keiner wusste davon. Sie war mit diesem Idionten zusammen, und jetzt?

 

                                                                                  (Von Benita)

 

... klingelte das Telefon des Besitzers und im gleichen Augenblick lief auch das Wasser aus der fast fertigen Waschmaschine. Zum Unglück kam hinzu, dass das Waschpuler  ebenso aus der Maschine floss wie das Wasser, so als ob es nicht dazu geneigt gewesen wäre die Wäsche zu säubern. Das Waschmittel hatte eine neue Farbe – zitronengelb. Und dieses Waschmittel hatte einen neuen Duft. Es roch wie nach einem Regenschauer und einen ebenfalls regnerischen Namen. Das Waschmittel hatte den wunderbaren Namen „reingeregnet hält sauber“ J.

                                                                                  (von Börk) 

 

... kam der Besitzer aus dem Lager und rief: „Etwas schlimmes ist passiert, in meinem Lager liegt eine Leiche.“

Dem späten Besucher jagte es einen eiskalten Schauer über den Rücken, vor ihm stand nun der Besitzer mit einem blutigen Küchenmesser und war blutverschmiert. Der Besucher griff nach seinem Handy um den Notruf zu wählen. Der Besitzer stand einfach da und sah etwas lächerlich aus so blutverschmiert mit seinem  blutiges Messer und dazu diese Backmütze und die Schürze mit den Sternen. Dann trafen auch schon die Polizei und die Rettungskräfte ein.

Der Besucher und der Besitzer wurden befragt, es gab viele Fragen, aber nur wenig Antworten.

Plötzlich sagte jemand: „Entschuldigung, ich würde gerne abkassieren, wir schließen jetzt gleich.“

Erschrocken zuckte der Besucher zusammen, er musste sich sortieren, ja er war eingeschlafen und hatte geträumt.

 

Und die Moral von der Geschicht: „schlafe im Café besser nicht.“

 

                                                                                             (von Netti) 

 

... stand er einer ganzen Meute Kleriker gegenüber, die hereindrängten.

 „Oh Schreck, ausgerechnet die“, dachte er.

„Sind Sie der Urheber all der Schmierereien hier?“, fragte ein Bischof mit strenger Stimme.

„Nein, ich bin nur vor dem Wind geflohen – und ausgerechnet hier herein.“

„Das läßt ja wohl auf Ihre ungläubige Geisteshaltung schließen! Was finden Sie bloß an all diesen gottlosen und geschmacklosen Bildern?“

„Wieso  geschmacklos und gotteslästerlich? Die sind doch eigentlich ganz hübsch.“

„Ganz hübsch?“, fragten gleich mehrere Geistliche im Chor.

„Soviel nacktes Fleisch, Monster und Ungeheuer und dieser bluttriefende Mond! Grässlich!“

„Das ist doch bloß ein Luftballon und der kleine Junge spritzt Himbeersaft mit seinem Strohhalm.“

„Sie wollen alles kleinreden. Was haben Sie bloß für eine Moral?“

„Das ist ein fröhlicher Badestrand. Und hiner der Bucht steht sogar eine Kirche.“

„Noch schlimmer, Pseudoreligiösitat! Augenwischerei!“

Der Streit eskalierte. Alle mischten sich nun ein und schrien auf den einsamen Besucher ein.

Plötzlich öffnete sich die rückwärtige Tür und der Hausherr ließ einen Gast vortreten, einen mittelgroßen, hellblonden Mann, der fragte: „Verstehen Sie Spaß, Herr Bundespräsident?“

 

                                                                                  (von Christine Schubert)

 

... öffnete sich die Eingangstür erneut und das Klingeln der Türglocke riss den Gast aus seinem Unbehagen. Aus einem Auto, welches vor der Tür des Lokales halt gemacht hatte, stiegen fünf Personen aus und eilten durch den Regen in den Laden. Die Gruppe war vornehm gekleidet und alle schienen bester Laune zu sein. Mit ihrer Energie schienen sie den Raum, der noch gerade die beklemmende Ruhe und Melancholie eines verlassenen Ortes verströmt hatte, regelrecht zu erwärmen.

In diesem Moment schob eine kleine rundliche Frau, mit schwarzen nach oben streng zusammen gebundenen Haaren, langsam die Küchentür auf. Sie schaute mit ihren dunklen Augen in den Raum und um sie herum wurde es still. Konstanza war seit über zwanzig Jahren hier Köchin und nach eigenen Angaben konnte im Umkreis von hundert Kilometern niemand eine so gute italienische Minestrone machen wie sie. Mit einem großen Topf voll von dieser Köstlichkeit im Arm betrat sie nun vorsichtigen Schrittes den Verkaufsraum und rief freudig:

„Ah, buona sera, das seid ihr ja, meine Lieben! Ihr kommt genau richtig, die Minestrone ist mir heute besonders gut gelungen, also los, nehmt schnell Platz!“

Die Gruppe nahm die Köchin beim Wort und schnell waren die wenigen Sitzplätze an den liebevoll gedeckten Tischen besetzt. Erst jetzt bemerkte Konstanza, wer da noch in der Tür stand. Sie hatte sich also doch nicht geirrt, als sie vorhin in der Küche ein leises Rufen erahnt hatte.

„Na, wer sind Sie denn?“, fragte Konstanza den schmalen Mann, der ganz und gar unscheinbar neben der Tür stand. So wie er dort stand mit einem Rucksack auf dem Rücken, einen kleinen Nickelbrille auf der Nase und einer nassgeregneten Zeitung unter dem Arm, machte er einen traurigen Eindruck, der Konstanza gar nicht gefiel.

„Entschuldigen Sie, ich wollte nicht stören. Ich dachte sie haben geschlossen, aber anscheinend ist hier eher eine geschlossene Gesellschaft, oder? Ich wollte eh gerade gehen.“

Der schmale Herr wollte sich gerade umdrehen und gehen, da sprang die Gruppe auf.

„Ach Quatsch, das kommt nicht in Frage! Konstanze, könntest du noch einen Teller dazustellen? Bei so einem Wetter wollen wir doch keinen vor die Tür setzen“, rief einer der Männer, der mit seinen schulterlangen, leider aber nassen Haaren, wie ein Hund aussah.

„Wir sind hier jeden Freitag bei Konstanza und genießen ihre Minestrone, die wirklich weit und breit die beste ist, Glauben sie es mir.“

Der schmale Herr war ganz perplex von der Energie des Mannes und zögerte einen Moment. Die Wärme und Lebensfreude, die die Gruppe heir in wenigen Minuten in den Laden brachte,

beeindruckte ihn.  Hinzu kam der herrliche Duft der Minestrone, der seine Nase kitzelte.

„Hier ist noch ein Teller und ein Stuhl ist ja auch noch frei“, riss Konstanza ihn aus seinen Gedanken. Er nahm den Rucksack ab, legte die Zeitung beiseite und nahm Platz.

„So, meine Suppenfreunde, ich hoffe, Ihr habt Hunger mitgebracht. Getränke wie immer? Ich weiß ja was ihr mögt. Was darf es denn für unseren neuen Gast sein?“, fragte Konstanza voller Freude.

„Mmmmmh, ich glaube ich nehme dann einen Milchkaffee zu meiner Suppe, bitte“, antwortete der Gast und fühlte sich rundum wohl in der Bernsteingasse 5 an diesem eigentlich so tristen Nachmittag.

 

                                                                                                         (von Matthis)

 

... sprang aus der hinteren Tür ein großer, zotteliger Hund in den Raum. Wohl erschrocken einen fremden zu sehen, fing er an zu knurren: „rrrrrm ....“, und seine Zähne fletschten.

Der Gast erschrak nicht schlecht. Doch er erinnerte sich. Seine Gedanken wanderten Jahrzehnte zurück und sekundenschnelle Bilder seines Lebens zogen an ihm vorüber. Da war der Strand seiner Kindheit, an welchem er Bernstein sammelte. Da war sein Kamerad, ein großer zotteliger Hund namens Leo. Sein Leo, ja sein Leo. Der Hund knurrte immer noch und er fing den Blick des Mannes auf, den er ihn mit hellem Glanz in den Augen anblickte. Dieses Licht aus seinem Angesicht, es ließ ihn, diesen wilden zotteligen Hund verstummen.

„Leo? . Nein das kann doch nicht sein“, dachte er.

Der Blick fiel auf die Bilder an der Staffelei: „Ja Italien, da war auch ein Hund, ein kleiner.“

Das Knurren war verstummt, Auge in Auge und Herz zu Herz schauten sie sich an.

Der Hund senkte seinen Kopf und tapste langsam auf den Mann zu. Mit seiner feuchten Schnauze stupste er ihn an sein Knie. Ein leises Winseln ertönte und floß aus seiner Kehle. Sein Kopf lag auf dem Knie des Mannes. Der Gast kraulte ihn am Kopf..

„Bist du Leo´s Enkel? Wir kennen uns lange.“

Plötzlich knarrte eine Tür. „Ist da jemand? Sultan, komm zurück! Entschuldigung, der Hund ist nicht sehr gastfreundlich.“

Sultan blickte vom Wirt zum Gast und ein Lächeln lief über das Gesicht des Wirtes.

„Sie sind ein Menschenfreund, mein Hund weiß wer ihn glaubt.“

„Ja, danke. Kann ich ein Bier haben?“

Es waren erst fünf Minuten vergangen seiddem der Gast das Café betreten hatte. Fünf Minuten  und viele Facetten eines Lebens. Es war hell geworden im Raum, denn wenn Menschen die Sprache der Tiere verstehen, wird die Welt ein wenig geheilt.

 

                                                                                  (von Helga Ruwe)

 

... erschien eine großgewachsene Gestalt im Türrahmen, schwarz gekleidet mit Mantel und Hut. Die Augenpartie war nicht zu sehen, sie lag im Schatten der Hutkrempe. Lässigen Schrittes erreichte die Gestalt den Tisch des Besuchers. Mit sonorer Stimme bat die Person darum, sich setzen zu dürfen. Der Gast wunderte sich, dass die Person ausgerechnet an seinem Tisch Platz nehmen wollte – war das Café doch leer.  Zwei in einem leeren Café und niemand, bei dem man eine Bestellung aufgeben konnte.

„Man sollte sich die Zeit vertreiben, solange, bis man eine Bestellung aufgben kann“.

Die Stimme tief, fremd und doch meinte der Gast etwas Vertrautes in ihr wahrnehmen zu können Er erwiederte: „Wir sollten uns umschauen, ob hier eine Karte liegt. Dann werden wir die Initiative ergreifen und den Wirt suchen. Das Wetter scheint noch eine ganze Weile so ungemütlich zu sein.“

Die dunkle Gestalt nickte zustimmend. „Wollte schon lange mit dir alleine sein.“

Der Gast traute seinen Ohren nicht. Wie konnte diese Person derart vertraut mit ihm reden?

Irritiert stand er auf um nach einer Speisekarte zu suchen. Er zerbrach sich dabei den Kopf, wer diese Person sein konnte. Er hatte ja schon zu Beginn der Begegnung den Eindruck gehabt, dass ihm etwas an der Person, an der Stimme, vertraut vorkam. Er setzte sich wieder an den Tisch, ohne eine Karte gefunden zu haben.

„Wir müssen wohl den Wirt suchen und ihn direkt fragen, was er heute im Angebot hat.“

„Einen Kaffee wird er uns ja wohl bringen können.“

Der Gast war sich nicht mal sicher, ob er mit einem Mann oder einer Frau am Tisch saß. Um ihn entlarven zu können, nahm er sich vor ein Gespräch über die Bilder im Gastraum zu führen.

„Die Bilder sind wohl käuflich zu erwerben.“

„Nein, ich weiß, sie sind zu verschenken“, wurde er unterbrochen.

Diese Stimme!? Das erschien ihm wie eine Provokation.

„Nicht Ihr Äußeres, aber Ihre Stimme und ihr Gebahren kommen mir vertraut vor.“

Die große, dunkel gekleidete Person lachte leise und stand auf. Er ging zum Schreibtisch, setzte sich darauf und hebte den Hut.

„Ich bin nicht der Wirt, ich bin ....“

 

                                                                                             (von Magret)

 

... erklang eine knarrende Stimme hinter ihm. „Ja, bitte?“

Er schrak zusammen und drehte sich um. Eine alte gebrechlich wirkende Frau hatte sich aus dem Hinterzimmer genähert. Offensichtlich hörte sie nicht mehr gut, denn als sie weitersprach, dröhnte ihre laute Stimme in seinen Ohren.

„Brauchen Sie ein Zimmer?“

„Ich...., ich würde gern etwas essen“, antwortete der Gast. „Haben Sie etwas Warmes?“

„Ich geb Ihnen eine Suppe“, entschied die Wirtin unfreundlich. Sie verschwand wieder in die Küche und der Gast stand unentschlossen in seinem nassen Regenmantel in dem kleinen Raum in der Bersteingasse 5.

 

                                                                                             (von Julia Lohmann)

 

... denn die vorher noch zu öffnende Tür war jetzt verschlossen. Alles reißen und zehren half nichts. Die Tür blieb verschlossen. Aus der anfänglichen Wut und Panik wurde schon nach kurzer Zeit wieder eine innere Gelassenheit, denn dem Gast wurde bewusst, dass seine Situation wesentlich dramatischer hätte sein können. War der Ort, an dem er sich befand, doch mit allem ausgestattet, was man für einen komfortablen Abend brauchte. Der Wein, der ihn anlächelte war jenseits der zwanzig Euro. Eine Klasse, die man sich sonst nicht so schnell leistete. Ruckzuck hatte sich der Gast zwei Gläser durch die Kehle gegossen. Ein leichtes Brummen ließ ihn dann die Küche finden, wo er viele Köstlichkeiten aß. Das Gefölle ließ ihn dann so müde werden, dass er es sich bequem machte. Doch was war das? Die Tür öffnete sich und ein Mann stand sichtlich beschämt vor dem Gast.

„Entschuldigung“, sagte er, „ich habe Sie eingeschlossen, darf ich Sie auf ein Glas Wein und etwas zu Essen einladen?“

 

                                                                                             (von Mi(s)cha)   

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